Only IRL? Performances auf Twitch
Annual meeting of VKKS (Association of Swiss Art Historians), 15.10.2021, HeK, Basel

Vortrag im Rahmen der Jahrestagung der VKKS (Vereinigung der Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker der Schweiz)
ART HISTORY AND NEW MEDIA: WHAT’S UP? SITUATION AND PROSPECTS
15. – 16. OKTOBER 2021
HEK HAUS (HAUS DER ELEKTRONISCHEN KÃœNSTE), MÃœNCHENSTEIN/BASEL & ONLINE

«In theater, blood is ketchup; in performance everything is real.» Marina Abramović, ebenso gefeierte wie heftig kritisierte Performancekünstlerin, brachte mit diesem Satz ein gewisses Vorverständnis über Performance als Medium der bildenden Kunst auf den Punkt: Performances beruhen auf dem «authentischen» Körper und seiner Präsenz, sie sind flüchtig – und nur im Hier-und-Jetzt verwirklicht.
Die Performancetheorie der 1990er und beginnenden 2000er Jahre bestätigt diese Mythen, diesseits (etwa mit Erika Fischer-Lichtes Ästhetik des Performativen) oder jenseits (etwa mit Peggy Phelans Unmarked. The Politics of Performance) des Atlantiks. Ich werde in meinem Beitrag der Frage nachgehen, inwiefern man künstlerische Performances in digitalen Spielen dennoch sinnvoll in eine Geschichte der Performance als Medium der bildenden Kunst einreihen kann. Dies wird insbesondere
anhand von künstlerischen Beispielen aus den 2010er Jahren geschehen, die seitens der Künstler*innen als Performances verstanden werden und die als Live-Streams für die Distribution auf Gaming-Plattform Twitch konzipiert wurden.

Wie kann man im Anschluss an die kunsthistorische Diskussion um Performances sinnvoll über diese Arbeiten als solche sprechen, wenn Leiblichkeit nur mehr vermittelt auftreten kann? Wenn diese Performances selbst auf einem komplexen Zusammenspiel zwischen menschlichen und nichtmenschlichen (maschinischen) Handlungen beruhen?

Download des Tagungsprogramms Tagungsprogramms